VerglasungLesedauer: 7 Min.Januar 2026

BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik in der Fensterscheibe

Solarzellen direkt in der Fensterscheibe – BIPV verbindet Stromerzeugung mit Verglasung. Was die Technologie kann, was sie kostet und wo sie eingesetzt wird.

Was ist gebäudeintegrierte Photovoltaik (BIPV)?

Gebäudeintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV (Building-Integrated Photovoltaics), bezeichnet Solarmodule, die direkt als Bauteil der Gebäudehülle dienen – also nicht nur aufgeständert auf einem Dach montiert werden, sondern die Dach-, Fassaden- oder Verglasung selbst ersetzen. Im Bereich der Fensterverglasung bedeutet das: Solarzellen werden zwischen oder auf den Glasscheiben eines Fensters integriert, sodass das Fenster gleichzeitig Tageslicht durchlässt, Witterung abhält und elektrischen Strom erzeugt.

Diese Technologie ist kein Zukunftstraum mehr, sondern bereits am Markt erhältlich – allerdings noch immer teuer und in bestimmten Segmenten konzentriert.

Technologien im BIPV-Bereich

Dünnschicht-Solarzellen

Dünnschichttechnologien wie amorphes Silizium, CIS oder CdTe lassen sich besonders gut in Glas integrieren. Die Zellen werden in sehr dünnen Schichten auf das Glas aufgedampft. Vorteile:

  • Gleichmäßige Transparenz über die gesamte Scheibenfläche
  • Grau-bläuliche Einfärbung wie Sonnenschutzglas
  • Flexibel gestaltbar in Transparenz und Farbe
  • Gut geeignet für Fassaden und Wintergärten
  • Nachteile:

  • Wirkungsgrad nur 6–11 %, deutlich niedriger als kristalline Zellen
  • Geringere Leistungsausbeute pro Quadratmeter
  • Kristalline Silizium-Zellen (monokristallin/polykristallin)

    Die leistungsstärkste und bekannteste Solarzellentechnologie kann ebenfalls in Fenster integriert werden – allerdings mit anderer Optik. Die einzelnen Zellen sind als strukturierte Elemente sichtbar, zwischen denen Licht hindurchfällt.

  • Wirkungsgrad 12–20 % pro Zellenfläche
  • Nicht vollflächig transparent; Streifenoptik oder Rasteroptik
  • Ideal für Bürogebäudefassaden, wo volle Transparenz weniger gefragt ist
  • Hohe Stromerzeugung bei direkter Sonneneinstrahlung
  • Organische Photovoltaik (OPV)

    Eine Technologie im Forschungs- und frühen Marktbereich:

  • Sehr dünne, halbtransparente Beschichtungen
  • Farb- und Transparenzgestaltung sehr flexibel
  • Aktueller Wirkungsgrad 5–8 %
  • Noch geringe Lebensdauer (10–15 Jahre)
  • Teiltransparenz als zentrales Merkmal

    BIPV-Fenster sind teiltransparent, nicht vollständig klar. Der sichtbare Lichtdurchlassgrad (VLT) liegt je nach Technologie und Ausführung zwischen 10 % und 60 %. Das bedeutet:

  • Mehr Licht bedeutet weniger Solarertrag
  • Weniger Licht bedeutet höhere Effizienz der Zellen
  • Das optimale Gleichgewicht zwischen Transparenz und Energieerzeugung ist eine der wesentlichen Planungsaufgaben bei BIPV-Projekten. Für Wohngebäude werden in der Regel höhere Transparenzwerte bevorzugt (40–60 %), während für Bürofassaden oder Wintergärten auch 20–30 % akzeptabel sein können.

    Anwendungsbereiche

    Glasfassaden bei Bürogebäuden

    Der häufigste Anwendungsfall für BIPV-Verglasung sind großflächige Vorhangfassaden moderner Bürogebäude. Hier spielt die exakte Transparenz eine geringere Rolle als bei Wohngebäuden. Die Fassade erzeugt Strom, der direkt im Gebäude genutzt wird.

    Wintergärten

    Ein Wintergarten mit BIPV-Dachelemenenten nutzt ohnehin vorhandene Sonneneinstrahlung effizient. Die teiltransparente Verglasung dient gleichzeitig als natürlicher Sonnenschutz – ein Mehrwert gegenüber konventionellem Klarglas.

    Oberlichten und Dächer

    Glasdächer, Oberlichten und schräge Glasflächen eignen sich besonders gut für BIPV, da die Solarstrahlung bei schräger Fläche effektiver auftrifft als bei senkrechten Fassaden.

    Repräsentative Eingangsbereiche

    BIPV-Verglasung als architektonisches Statement für nachhaltige Unternehmensgebäude, Verwaltungsbauten und öffentliche Einrichtungen gewinnt an Bedeutung.

    Wirkungsgrade und Stromerzeugung

    Der Wirkungsgrad von BIPV-Scheiben liegt je nach Technologie bei:

  • Dünnschicht: 5–11 %
  • Kristallin teiltransparent: 12–18 % (auf Zellenfläche)
  • Organische PV: 5–8 %
  • Zum Vergleich: Standard-Dach-Solarmodule erreichen 20–23 % Wirkungsgrad. BIPV ist also weniger effizient pro Flächeneinheit – bietet aber den Vorteil, bereits vorhandene Fassaden- und Fensterflächen zu nutzen, die andernfalls keine Energie erzeugen würden.

    Bei einer 10 m² großen Südfassade mit BIPV-Verglasung kann die jährliche Stromerzeugung in Deutschland bei 300–600 kWh liegen – abhängig von Ausrichtung, Verschattung und Systemart.

    Kosten – der kritische Faktor

    BIPV-Verglasung ist teuer. Im Vergleich:

  • Normales Dreifachverglasung: ca. 100–200 €/m²
  • Hochwertige Sonnenschutzverglasung: 150–350 €/m²
  • BIPV-Verglasung: 400–1.200 €/m² (ohne Montage und Wechselrichter)
  • Der Gesamtinvestitionsbedarf für eine BIPV-Fensterfassade liegt erheblich über dem konventioneller Alternativen. Die Amortisationszeit beträgt bei aktuellen Energiepreisen häufig 20–35 Jahre – also nahezu die gesamte erwartete Lebensdauer. Nur bei sehr günstigen Bedingungen (große Fassadenfläche, hohe Sonneneinstrahlung, Förderung) verkürzt sich das spürbar.

    Förderung und Rahmenbedingungen

  • BIPV-Anlagen können über den Erneuerbare-Energien-Gesetze (EEG) eingespeist werden
  • KfW-Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) kann BIPV-Fassaden als Bestandteil einer Gesamtmaßnahme fördern
  • Einige Bundesländer haben spezifische Förderprogramme für innovative PV-Integrationen
  • Die Mehrwertsteuer auf PV-Anlagen beträgt seit 2023 für viele Installationen 0 %
  • Zukunftsperspektive

    BIPV wird in den nächsten Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen. Treiber sind:

  • Sinkende Herstellungskosten durch Skalierung und neue Produktionsverfahren
  • EU-Gebäuderichtlinie und Klimaschutzziele, die aktive Energieerzeugung an Gebäudehüllen fördern
  • Architektonische Nachfrage nach ästhetisch integrierten Lösungen
  • Verbesserte Wirkungsgrade durch Forschung und Entwicklung
  • Wachsende Verfügbarkeit von Standardprodukten (heute noch meist Sonderfertigung)
  • Industrieanalytiker erwarten eine Verdopplung des BIPV-Markts bis 2030. Für Wohngebäude wird der Standardeinsatz aber noch einige Jahre auf sich warten lassen – zu dominant bleibt der Preisunterschied zur konventionellen Aufdach-Solaranlage.

    Worauf beim Kauf zu achten ist

  • Leistungsgarantie der Hersteller (oft 25 Jahre auf Leistungserhalt)
  • Zertifizierung nach IEC 61730 (Sicherheit von PV-Modulen)
  • Kompatibilität mit Wechselrichter und Hausnetz (Nennspannung, Wechselrichtertyp)
  • Schnittstelle zur Gebäudetechnik und Smart-Home-System
  • Reinigungsanforderungen (BIPV-Glas erfordert gelegentliches Reinigen für optimale Leistung)
  • Fazit

    BIPV-Verglasung ist technologisch ausgereift und architektonisch reizvoll – aber noch immer teuer und für Standardanwendungen im Wohnungsbau wenig wirtschaftlich. Für große Glasfassaden, Wintergärten und repräsentative Gewerbeobjekte bietet die Technologie hingegen echten Mehrwert: Stromerzeugung, Sonnenschutz und Ästhetik in einem. Wer jetzt investiert, profitiert von einem Produkt der Zukunft – muss aber bereit sein, einen erheblichen Aufpreis gegenüber konventionellen Lösungen zu zahlen.

    Häufige Fragen

    Welche Verglasung eignet sich für BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?

    Im Bereich der Fensterverglasung bedeutet das: Solarzellen werden zwischen oder auf den Glasscheiben eines Fensters integriert, sodass das Fenster gleichzeitig Tageslicht durchlässt, Witterung abhält und elektrischen Strom erzeugt.

    Was ist der Unterschied zwischen den Verglasunsarten bei BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?

    Die teiltransparente Verglasung dient gleichzeitig als natürlicher Sonnenschutz – ein Mehrwert gegenüber konventionellem Klarglas.

    Wie viel kostet eine neue Verglasung für BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?

    100–200 €/m² Hochwertige Sonnenschutzverglasung: 150–350 €/m² BIPV-Verglasung: 400–1.200 €/m² (ohne Montage und Wechselrichter) Der Gesamtinvestitionsbedarf für eine BIPV-Fensterfassade liegt erheblich über dem konventioneller Alternativen.

    Welchen U-Wert erreicht BIPV: Gebäude-integrierte Photovoltaik Fensterscheibe?

    Gebäudeintegrierte Photovoltaik, kurz BIPV (Building-Integrated Photovoltaics), bezeichnet Solarmodule, die direkt als Bauteil der Gebäudehülle dienen – also nicht nur aufgeständert auf einem Dach montiert werden, sondern die Dach-, Fassaden- oder Verglasung selbst ersetzen.

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