Energie & WärmeschutzLesedauer: 8 Min.Januar 2026

Sommerlicher Wärmeschutz bei Fenstern: g-Wert und Sonnenschutz

DIN 4108-2 regelt den sommerlichen Wärmeschutz. Was der g-Wert damit zu tun hat und warum Außenverschattung der Verglasung überlegen ist.

Warum sommerlicher Wärmeschutz immer wichtiger wird

Noch vor 20 Jahren war sommerlicher Wärmeschutz in Mitteleuropa ein Randthema. Heute, mit zunehmend häufigen Hitzeperioden, steigen Temperaturen in Häusern ohne Klimaanlage auf unerträgliche Werte. Das Rhein-Main-Gebiet – eine der wärmsten Regionen Deutschlands – erlebte in den letzten Jahren mehrere Sommer mit mehr als 30 Heiztagen (Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C).

Gleichzeitig führt der energetische Trend zu größeren Fensterflächen (mehr Licht, offene Wohnkonzepte) – was das Überhitzungsrisiko weiter erhöht. Sommerlicher Wärmeschutz ist damit von einer Randgröße zur Schlüsselanforderung geworden.

DIN 4108-2: Die Norm für sommerlichen Wärmeschutz

Die DIN 4108-2 „Mindestanforderungen an den Wärmeschutz" enthält seit 2013 auch umfangreiche Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz. Das vereinfachte Nachweisverfahren berechnet Übertemperaturgradstunden (OTG) – ein Maß dafür, wie viele Stunden und in welchem Ausmaß die Raumtemperatur einen Komfortbereich von 26 °C überschreitet.

Einflussparameter des Sommerlichen Wärmeschutznachweises:

  • Orientierung und Neigung der Fensterflächen
  • Gesamtenergiedurchlassgrad g (g-Wert) der Verglasung
  • Vorhandensein und Wirkungsgrad von Verschattungsanlagen
  • Nachtlüftung (natürlich oder mechanisch)
  • Wärmespeicherkapazität der Bauteile (schwere vs. leichte Bauweise)
  • Klimaregion des Standorts
  • Klimaregionen nach DIN 4108-2:

  • Region A (kühl): z. B. Norddeutschland, Hochlagen
  • Region B (gemäßigt): z. B. Mitteldeutschland, Frankfurt am Main
  • Region C (warm): z. B. Oberrheingraben, Mainz, Worms
  • Das Rhein-Main-Gebiet liegt je nach Standort zwischen Region B und C – relativ warm im deutschen Vergleich.

    Der g-Wert im sommerlichen Wärmeschutz

    Der g-Wert ist der wichtigste Glasparameter für den sommerlichen Wärmeschutz. Im DIN-Nachweis wird er als „gtot" (totaler g-Wert) verwendet, der auch Verschattungsanlagen einbezieht:

    gtot = fc × g

    Dabei ist fc der Abminderungsfaktor für Verschattung:

  • Keine Verschattung: fc = 1,0
  • Innenverschattung (Vorhang, Innenjalousie): fc = 0,75–0,90
  • Außenjalousie (Raffstore): fc = 0,15–0,25
  • Außenrollladen: fc = 0,10–0,15
  • Feststehender Überhang (Balkon, Dachüberstand): fc = 0,20–0,50 (geometrieabhängig)
  • Anforderung: gtot ≤ 0,35 (Richtwert für Wohngebäude)

    Für Wohngebäude gilt vereinfacht: Wenn der Wirkungsgrad Verschattung × g-Wert ≤ 0,35, ist sommerlicher Wärmeschutz hinreichend.

    Beispielrechnungen:

  • Sonnenschutzverglasung (g = 0,30) ohne Verschattung: gtot = 1,0 × 0,30 = 0,30 ✓
  • Standard-Dreifachverglasung (g = 0,52) ohne Verschattung: gtot = 1,0 × 0,52 = 0,52 ✗
  • Standard-Dreifachverglasung (g = 0,52) mit Außenjalousie (fc = 0,22): gtot = 0,22 × 0,52 = 0,11 ✓✓
  • Die Rechnung zeigt: Außenverschattung ist deutlich wirksamer als Sonnenschutzverglasung.

    Außenverschattung: Überlegen, aber nicht immer möglich

    Außenverschattung (Rollladen, Raffstore, Markise) ist die energetisch überlegene Maßnahme gegen sommerliche Überhitzung. Der Vorteil: Die Solarstrahlung wird bereits außerhalb des Glases abgehalten, bevor sie zum Wärmeeintrag werden kann.

    Außenrollladen

  • Abminderungsfaktor fc ≈ 0,10–0,15
  • Beste Wirkung aller manuellen/elektrischen Verschattungssysteme
  • Vollständige Abdunkelung möglich (Schlafzimmer)
  • Auch Einbruchschutz-Funktion
  • Preis: 300–800 Euro pro Fenster (inkl. Antrieb)
  • Außenjalousie / Raffstore

  • Abminderungsfaktor fc ≈ 0,15–0,25
  • Regulierbare Lamellenstellung (Tageslicht trotz Verschattung)
  • Sichtverbindung nach außen möglich
  • Empfindlicher als Rollladen (Wind-Sensoren nötig)
  • Preis: 400–1.000 Euro pro Fenster
  • Markise

  • Für Terrassen und bodentiefe Türen
  • Weniger Wirkung bei tief stehender Sonne (West/Ost)
  • Preis: 500–2.000 Euro pro Markise
  • Feststehende Verschattung (Dachüberstand, Balkon)

  • Keine Betriebskosten, keine beweglichen Teile
  • Wirksamkeit hängt von Geometrie ab
  • Funktioniert automatisch passiv
  • Optimal für Südfenster (hohe Sommersonne → guter Schutz; tiefe Wintersonne → gut durchgelassen)
  • Klimawandel und steigende Kühlanforderungen

    Der Klimawandel verschiebt die Balance zwischen Winter- und Sommerwärmeschutz. In Klimaszenarien für das Jahr 2050 werden für Frankfurt am Main deutlich mehr Hitzetage (>30 °C) vorhergesagt. Gebäude, die heute nur für den Winterbetrieb optimiert wurden, können dann unbewohnbar werden.

    Für Neubauten empfehlen Energieberater daher:

  • Gebäudesimulation für Sommer- UND Winterbetrieb durchführen
  • Großzügige Beschattungsanlagen fest einplanen
  • Nachtlüftungskonzept entwickeln (kühle Nachtluft reinlassen)
  • Wärmespeichernde Baustoffe innen verwenden (Beton, Backstein)
  • Klimaanlagen-Vorvorbereitung einbauen (Leitungen), selbst wenn keine Klimaanlage geplant ist
  • Kombination: Sonnenschutzverglasung + Außenverschattung

    Für kritische Bereiche (bodentiefe Westfenster, Glasdächer, Dachfenster) kann die Kombination aus Sonnenschutzverglasung und Außenverschattung sinnvoll sein:

  • Sonnenschutzverglasung (g = 0,30) + Raffstore (fc = 0,20):
  • gtot = 0,20 × 0,30 = 0,06 (extremer Sonnenschutz)

    Das ist z. B. für Büros, Dachterrassenräume oder sehr große Westverglasungen relevant.

    Fazit

    Sommerlicher Wärmeschutz bei Fenstern ist kein Luxus, sondern eine Anforderung, die bei jeder Fensterplanung heute Berücksichtigung finden muss. Der g-Wert der Verglasung allein löst das Problem nicht – wirksame Außenverschattung ist meist effizienter und flexibler. Lassen Sie sich beim Fenstertausch oder Neubau explizit zum sommerlichen Wärmeschutznachweis beraten.

    Häufige Fragen

    Wie verbessert Sommerlicher Wärmeschutz Fenstern: g-Wert die Energieeffizienz meines Hauses?

    Orientierung und Neigung der Fensterflächen Gesamtenergiedurchlassgrad g (g-Wert) der Verglasung Vorhandensein und Wirkungsgrad von Verschattungsanlagen Nachtlüftung (natürlich oder mechanisch) Wärmespeicherkapazität der Bauteile (schwere vs.

    Welchen U-Wert sollte ich bei Sommerlicher Wärmeschutz Fenstern: g-Wert anstreben?

    Noch vor 20 Jahren war sommerlicher Wärmeschutz in Mitteleuropa ein Randthema. Sommerlicher Wärmeschutz ist damit von einer Randgröße zur Schlüsselanforderung geworden.

    Wie viel Energie kann ich durch Sommerlicher Wärmeschutz Fenstern: g-Wert sparen?

    Der g-Wert ist der wichtigste Glasparameter für den sommerlichen Wärmeschutz. Der Vorteil: Die Solarstrahlung wird bereits außerhalb des Glases abgehalten, bevor sie zum Wärmeeintrag werden kann.

    Welche Anforderungen stellt das GEG an Sommerlicher Wärmeschutz Fenstern: g-Wert?

    Sommerlicher Wärmeschutz ist damit von einer Randgröße zur Schlüsselanforderung geworden. Die DIN 4108-2 „Mindestanforderungen an den Wärmeschutz" enthält seit 2013 auch umfangreiche Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz.

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