Energie & WärmeschutzLesedauer: 8 Min.Januar 2026

Sonnenschutzverglasung: Sommerlichen Wärmeschutz richtig planen

Sonnenschutzverglasung reduziert Überhitzung im Sommer. Was der g-Wert bedeutet, welche Ausrichtungen kritisch sind und wie man richtig plant.

Sommerlicher Wärmeschutz: Warum immer wichtiger?

Lange galt beim Fensterplanung der Fokus fast ausschließlich auf dem winterlichen Wärmeschutz. Doch mit dem Klimawandel und häufigeren Hitzewellen im Rhein-Main-Gebiet rückt der sommerliche Wärmeschutz zunehmend in den Vordergrund. Sommers in Frankfurt am Main, Darmstadt oder Wiesbaden: Temperaturen über 35 °C sind keine Seltenheit mehr. Große Fensterflächen ohne Sonnenschutz werden dann zur Hitzefalle.

Die gute Nachricht: Richtig geplant können Fenster auch im Sommer zur Behaglichkeit beitragen – ohne Klimaanlage.

Der g-Wert: Das Herzstück des sommerlichen Wärmeschutzes

Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) ist die wichtigste Kennzahl für den sommerlichen Wärmeschutz einer Verglasung. Er gibt an, welcher Anteil der auftreffenden Sonnenenergie durch das Glas in den Raum gelangt.

  • g = 0,60: 60 % der Sonneneinstrahlung gelangt in den Raum
  • g = 0,30: nur 30 % der Sonneneinstrahlung gelangt in den Raum
  • Dabei besteht ein Zielkonflikt: Im Winter sind hohe g-Werte erwünscht (solare Gewinne heizen den Raum), im Sommer sind niedrige g-Werte erwünscht (weniger Sonneneintrag = weniger Überhitzung).

    Typische g-Werte:

  • Einfachglas: g ≈ 0,85 (sehr viel Sonneneintrag)
  • Zweifachverglasung Standard: g ≈ 0,62
  • Dreifachverglasung Standard: g ≈ 0,50–0,55
  • Sonnenschutzverglasung leicht: g ≈ 0,40–0,50
  • Sonnenschutzverglasung mittel: g ≈ 0,30–0,40
  • Sonnenschutzverglasung stark: g ≈ 0,20–0,30
  • Sonnenschutzverglasung: Aufbau und Wirkungsweise

    Sonnenschutzverglasung ist eine Weiterentwicklung des Wärmeschutzglases. Während normale Wärmeschutzverglasungen die langwellige Wärmestrahlung (Infrarot) vom Raum abhalten, reflektiert Sonnenschutzverglasung zusätzlich kurzwellige Solarstrahlung.

    Dies wird erreicht durch:

  • Metalloxid-Beschichtungen auf der Außenscheibe (Hartbeschichtung) oder im Scheibenzwischenraum (Softcoat)
  • Silber- oder Metalllegierungsschichten mit selektiver Reflexionswirkung
  • Kombination von Wärmeschutz und Sonnenschutz in einem Scheibensystem
  • Moderne Sonnenschutzgläser können gleichzeitig einen niedrigen Ug-Wert (Wärmeschutz) und einen niedrigen g-Wert (Sonnenschutz) bieten:

    Beispiel Saint-Gobain SGG COOL-LITE XTREME 70/33:

  • Ug = 0,5 W/m²K (Dreifachverglasung mit Sonnenschutz)
  • g = 0,33 (nur 33 % Solarenergie durch)
  • Lichtdurchlässigkeit: 70 %
  • Sonnenschutzverglasung vs. Außenverschattung

    Die Frage, ob man Sonnenschutzverglasung oder externe Verschattungselemente (Rollladen, Raffstores, Markisen) wählen sollte, wird häufig diskutiert.

    Sonnenschutzverglasung

  • Reflektiert Sonnenstrahlung bereits am Glas
  • Kein bewegliches Element, kein Wartungsaufwand
  • Gleichmäßige Wirkung das ganze Jahr
  • Kann auch im Winter solare Gewinne reduzieren (Nachteil)
  • Kein Sichtschutz, kein Blendschutz
  • Außenrollladen oder Raffstore

  • Bis zu 90 % der Solarenergie wird abgehalten, bevor sie das Glas trifft
  • Bei geöffnetem Rollladen volle solare Gewinne im Winter nutzbar
  • Sichtschutz und Einbruchschutz als Zusatznutzen
  • Kostenintensiver in Anschaffung, aber flexibler in der Nutzung
  • Energetisch effizienter als Sonnenschutzverglasung
  • Innenverschattung (Jalousie, Vorhang)

  • Wirksamkeit deutlich geringer: Sonnenstrahlung ist bereits ins Glas eingetreten
  • Wärme entsteht zwischen Glas und Vorhang und wird in den Raum abgegeben
  • Nur als Ergänzung sinnvoll, nicht als alleinige Maßnahme
  • Fazit Verschattung vs. Verglasung

    Externe Verschattung ist energetisch überlegen – bei beweglichen Systemen. Sonnenschutzverglasung ist wartungsarm und sinnvoll für Flächen, die schwer zu verschatten sind (z. B. Dachfenster, Glasdächer, Windfanganlagen). Für Standardfenster an der Süd- und Westfassade empfehlen Energieberater typischerweise Außenverschattung mit normaler Dreifachverglasung.

    Ausrichtung ist entscheidend

    Nicht alle Himmelsrichtungen sind gleich problematisch:

    Südfenster

  • Hoher Sonnenstand im Sommer → Sonnenstrahlung trifft flacher auf → weniger Sonneneintrag
  • Überhangtiefe von 0,5–1,0 m (Balkon, Dachüberstand) reicht oft für ausreichende Sommerverschattung
  • Im Winter (tiefer Sonnenstand): maximale solare Gewinne erwünscht
  • Empfehlung: normales Wärmeschutzglas mit hohem g-Wert + Außenverschattung
  • West- und Ostfenster

  • Tiefer Sonnenstand abends (West) und morgens (Ost)
  • Sonnenstrahlung trifft nahezu senkrecht auf → maximaler Sonneneintrag
  • Schwer durch Dachüberstände zu verschatten
  • Empfehlung: Sonnenschutzverglasung oder gut bedienbare Außenjalousien
  • Nordfenster

  • Kaum direkter Sonneneintrag
  • Kein sommerlicher Wärmeschutz erforderlich
  • Fokus auf Wärmeschutz (Uw-Wert)
  • Anforderungen der DIN 4108-2

    Die DIN 4108-2 „Mindestanforderungen an den Wärmeschutz" regelt auch den sommerlichen Wärmeschutz. Sie berechnet das Übertemperaturgradstunden-Kriterium – ein Maß für die zu erwartenden Überhitzungsstunden im Sommer.

    Für Gebäude ohne Kühlung gilt: Die Übertemperaturgradstunden sollen unter einem definierten Grenzwert bleiben. Große südlich und westlich orientierte Fensterflächen ohne Verschattung sind dabei die Hauptrisikofaktoren.

    Lichtdurchlässigkeit: Dunkel muss nicht sein

    Ein häufiges Missverständnis: Sonnenschutzverglasung macht Räume dunkel. Moderne Produkte ermöglichen eine hohe Lichttransmission bei gleichzeitig niedrigem g-Wert:

  • Lichtdurchlässigkeit Tau 70 % bei g = 0,33 (Saint-Gobain Cool-Lite Xtreme)
  • Lichtdurchlässigkeit Tau 60 % bei g = 0,26 (Pilkington Suncool 60/26)
  • Das menschliche Auge nimmt geringe Unterschiede in der Lichtdurchlässigkeit kaum wahr. Bei Tageslicht ist ein Glas mit 60 % Tau oft nicht von einem mit 80 % Tau zu unterscheiden.

    Kosten und Mehrpreis

    Sonnenschutzverglasung kostet mehr als Standard-Wärmeschutzglas:

  • Mehrpreis pro m² Glas: 30–80 Euro (je nach Produkt und g-Wert)
  • Bei einem typischen Fenster (1,5 m²): Mehrkosten 45–120 Euro
  • Bei 10 Fenstern: 450–1.200 Euro Mehrkosten
  • Diesem Mehrpreis stehen Komfortgewinne und ggf. eingesparte Klimaanlagenkosten gegenüber.

    Fazit

    Sonnenschutzverglasung ist sinnvoll für west- und ostorientierte Flächen sowie für Glasdächer und Dachfenster. An Südfassaden mit Dachüberstand oder geplanter Außenverschattung ist normales Wärmeschutzglas meist die bessere Wahl. Entscheidend ist eine individuelle Planung unter Berücksichtigung der Ausrichtung, der Gebäudenutzung und der Klimazone.

    Häufige Fragen

    Wie verbessert Sonnenschutzverglasung: Sommerlichen Wärmeschutz richtig die Energieeffizienz meines Hauses?

    Der g-Wert (Gesamtenergiedurchlassgrad) ist die wichtigste Kennzahl für den sommerlichen Wärmeschutz einer Verglasung. Lange galt beim Fensterplanung der Fokus fast ausschließlich auf dem winterlichen Wärmeschutz.

    Welchen U-Wert sollte ich bei Sonnenschutzverglasung: Sommerlichen Wärmeschutz richtig anstreben?

    Lange galt beim Fensterplanung der Fokus fast ausschließlich auf dem winterlichen Wärmeschutz. Doch mit dem Klimawandel und häufigeren Hitzewellen im Rhein-Main-Gebiet rückt der sommerliche Wärmeschutz zunehmend in den Vordergrund.

    Wie viel Energie kann ich durch Sonnenschutzverglasung: Sommerlichen Wärmeschutz richtig sparen?

    Lange galt beim Fensterplanung der Fokus fast ausschließlich auf dem winterlichen Wärmeschutz.

    Welche Anforderungen stellt das GEG an Sonnenschutzverglasung: Sommerlichen Wärmeschutz richtig?

    Lange galt beim Fensterplanung der Fokus fast ausschließlich auf dem winterlichen Wärmeschutz.

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