VerglasungLesedauer: 5 Min.Januar 2026

Selbstreinigendes Glas: Pilkington Activ und wie es funktioniert

Selbstreinigendes Glas nutzt UV-Licht und Regenwasser, um Schmutz abzubauen und abzuspülen. Für wen es sich lohnt und was es kostet.

Was ist selbstreinigendes Glas?

Selbstreinigendes Glas klingt nach Zukunftstechnologie, ist aber bereits seit den 2000er Jahren kommerziell erhältlich. Das bekannteste Produkt ist Pilkington Activ, daneben bieten Hersteller wie Saint-Gobain (SGG Bioclean) und Guardian (ClimaGuard) ähnliche Produkte an.

Das Glas trägt auf der Außenseite eine spezielle Titandioxid-Beschichtung (TiO₂). Diese Beschichtung nutzt zwei physikalische Effekte, um die Scheibe sauber zu halten: den fotokatalytischen Effekt und den hydrophilen Effekt.

Fotokatalytischer Effekt: UV baut Schmutz ab

Titandioxid ist ein Fotokatalysator. Wenn UV-Strahlung auf die Beschichtung trifft, setzt TiO₂ eine chemische Reaktion in Gang, bei der freie Radikale entstehen. Diese freien Radikale greifen organische Verbindungen an und zersetzten sie in Wasser und Kohlendioxid.

Organischer Schmutz auf Glasscheiben – also Vogelkot, Ruß, Pollen, Fettpartikel und abgestorbene Mikroorganismen – wird durch UV-Strahlung buchstäblich abgebaut. Der Schmutz verliert seinen Halt auf der Scheibe und wird brüchig.

Dieser Prozess läuft langsam ab, ist aber kontinuierlich aktiv, solange die Scheibe Tageslicht ausgesetzt ist. Direktes Sonnenlicht beschleunigt den Abbau, aber auch diffuses Tageslicht genügt.

Hydrophiler Effekt: Wasser spült ab

Der zweite Effekt ist der hydrophile Effekt: TiO₂ macht die Glasoberfläche hydrophil (wasserliebend). Auf einer normalen Glasoberfläche perlt Wasser in Tropfen ab und hinterlässt beim Ablaufen Kalkflecken. Auf einer hydrophilen Oberfläche breitet sich Wasser gleichmäßig als dünner Film aus und läuft als Schleier über die Scheibe ab.

Dieser Wasserfilm nimmt den durch den fotokatalytischen Effekt gelockerten Schmutz mit und spült ihn von der Scheibe. Bei Regen läuft der abgebaute Schmutz einfach davon. Es bleiben keine Streifen, keine Wasserflecken.

Die Kombination beider Effekte ergibt eine Scheibe, die sich mit Regenwasser quasi von selbst reinigt.

Wichtig: Nur außen, nie innen

Die Beschichtung funktioniert ausschließlich auf der Außenseite der Scheibe, weil sie UV-Licht und Regenwasser benötigt. Im Scheibenzwischenraum einer Isolierverglasung oder auf der Innenseite ist die Beschichtung vollständig wirkungslos.

Das ist auch der Grund, warum selbstreinigendes Glas immer als die äußere Scheibe einer Isolierverglasung ausgeführt werden muss. Beim Einbau muss zwingend auf die korrekte Einbaurichtung geachtet werden – einige Hersteller kennzeichnen die beschichtete Seite mit einem Aufkleber.

Für wen lohnt sich selbstreinigendes Glas?

Selbstreinigendes Glas ist keine Allzwecklösung. Es hat spezifische Vor- und Nachteile, die seinen Einsatz auf bestimmte Situationen beschränken:

Besonders geeignet für:

  • Dachfenster und Oberlichter: Diese sind schwer zu erreichen und verschmutzen wegen der flachen Einbaulage besonders schnell. Stehende Schmutzflecken sind häufig. Selbstreinigendes Glas reduziert die Reinigungsintervalle erheblich.
  • Schwer zugängliche Fenster: Hochparterre, mehrstöckige Gebäude mit schmalen Fassaden, Fenster über Anbauten.
  • Wintergärten: Glasdächer von Wintergärten verschmutzen durch Vogelkot, Blätter und Pollen schnell. Selbstreinigendes Glas ist für solche Anwendungen populär.
  • Gewächshäuser und Galerie-Fenster: Große Glasflächen, die selten gereinigt werden können.
  • Weniger geeignet für:

  • Fenster mit kaum Regenkontakt (windgeschützte, überdachte Positionen)
  • Fenster in städtischen Bereichen mit viel mineralischem Schmutz (Feinstaub, Bauschutt)
  • Anwendungen, bei denen kein direktes Tageslicht auf die Außenseite trifft
  • Fenster in der Erdgeschosszone, die regelmäßig gereinigt werden können
  • Was kann selbstreinigendes Glas nicht?

    Selbstreinigendes Glas ist kein Wunder. Es reduziert die Reinigungshäufigkeit, ersetzt sie aber nicht vollständig. Mineralischer Schmutz – Kalk, Feinstaub, Pollenrückstände – lässt sich durch den fotokatalytischen Effekt nicht abbauen. Nur organische Verbindungen werden zersetzt.

    Bei langen Trockenperioden ohne Regen trocknet der gelockerte Schmutz ein und bleibt hängen. Erst der nächste Regenfall spült ihn weg. In sehr trockenen Sommern kann die selbstreinigende Wirkung deshalb nachlassen.

    Auch frische Reinigungsmittelrückstände oder Antibelag-Sprays können die Titandioxid-Schicht beeinträchtigen. Wenn das Glas gelegentlich manuell gereinigt wird, sollte nur klares Wasser ohne Zusätze verwendet werden.

    Mehrkosten

    Selbstreinigendes Glas kostet mehr als normales Glas. Die Mehrkosten für die Beschichtung liegen je nach Hersteller und Glasgröße bei:

  • Kleine Scheiben (bis 0,5 m²): ca. 20–40 Euro Aufpreis
  • Mittlere Scheiben (1–2 m²): ca. 40–80 Euro Aufpreis
  • Dachfensterscheiben: oft 100–200 Euro Aufpreis pro Scheibe
  • Gerechnet über die eingesparte Reinigungsarbeit und bei schwer erreichbaren Fenstern amortisiert sich der Aufpreis in vielen Fällen innerhalb weniger Jahre.

    Fazit

    Selbstreinigendes Glas ist eine ausgereifte, alltagstaugliche Technologie für schwer zugängliche Verglasungen. Dachfenster, Wintergärten und Fassadenfenster in oberen Stockwerken sind die natürlichen Anwendungsgebiete. Für normale Erdgeschossfenster, die problemlos gereinigt werden können, ist der Mehrpreis nicht gerechtfertigt. Wer sich für die Technologie interessiert, sollte die Einbaulage kritisch prüfen und sicherstellen, dass genügend UV-Licht und Regenwasser die Außenseite erreichen.

    Häufige Fragen

    Welche Verglasung eignet sich für Selbstreinigendes Glas: Pilkington Activ?

    Im Scheibenzwischenraum einer Isolierverglasung oder auf der Innenseite ist die Beschichtung vollständig wirkungslos. Das ist auch der Grund, warum selbstreinigendes Glas immer als die äußere Scheibe einer Isolierverglasung ausgeführt werden muss.

    Was ist der Unterschied zwischen den Verglasunsarten bei Selbstreinigendes Glas: Pilkington Activ?

    Selbstreinigendes Glas klingt nach Zukunftstechnologie, ist aber bereits seit den 2000er Jahren kommerziell erhältlich.

    Wie viel kostet eine neue Verglasung für Selbstreinigendes Glas: Pilkington Activ?

    20–40 Euro Aufpreis Mittlere Scheiben (1–2 m²): ca.

    Welchen U-Wert erreicht Selbstreinigendes Glas: Pilkington Activ?

    Selbstreinigendes Glas klingt nach Zukunftstechnologie, ist aber bereits seit den 2000er Jahren kommerziell erhältlich.

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